360-Grad-Feedback für Führungskräfte

Eins der wichtigsten Instrumente der Führungskräfteentwicklung

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„Führungswürstel“ nennt der ehemalige Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger Kollegen, „…die mit Scheuklappen durchs Chefleben gehen“. Mitarbeiter, die an ihrem Chef „herumkrittelten“, seien für die Chefs harter Tobak.

360-Grad-Feedback
Das 360-Grad-Feedback, bei dem sich Führungskräfte anonym von Mitarbeitern, Kollegen, dem Chef sowie Kunden und Lieferanten beurteilen lassen, ist weltweit „…zu einem der wichtigsten Instrumente der Führungskräfteentwicklung geworden“.
Aus der beruflichen Praxis kennen Sie Kunden- und Mitarbeiterbefragungen sowie das jährliche Feedbackgespräch mit Ihrem Chef. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Ziel der persönlichen Weiterentwicklung steht bisher oft nicht im Fokus.

Selbstbild versus Fremdbild
In meinen Coachings arbeite ich mit der Potenzialanalyse BIP, einem der führenden Persönlichkeitstests im deutschsprachigen Raum. Das Selbstbild, wie man sich selber sieht, wird mit 210 Fragen zu 14 Kategorien ermittelt. Stellt der Coach dieses Profilbild dem Fremdbild gegenüber, das Mitarbeiter, Kollegen oder Vorgesetzte abgegeben haben, ist das sehr aufschlussreich. Dieser Vergleich „bietet die besten Chancen, sich hinsichtlich beruflicher wie auch privater Anforderungen und persönlicher Zielsetzungen weiterzuentwickeln.“*

Blinder Fleck
Es dreht sich (alles) um den blinden Fleck. Von ihm spricht man, wenn das Fremdbild einen Aspekt in der Persönlichkeit aufzeigt, der sich im Selbstbild vollkommen anders darstellt. Beispiel: Eine Coachee strebte eine Führungsposition in ihrer Firma an und bat privat um eine Potenzialanalyse. Sie ließ sich auf eigenen Wunsch von ihrem Mann beurteilen, der in der Nachbarabteilung arbeitete. Selbst- und Fremdbild lagen vollkommen auseinander. Sie wirkte in der Firma – aus Sicht dieses Kollegen – lange nicht so belastbar und selbstbewusst wie sie sich selbst sah. Die Führungsposition wurde ihr nicht angeboten, die Ehe scheiterte.

Führungskraft kein Job für jeden
Das Personalführungsskript von MEMOSYS© enthält in der Anlage 29 Fragen zum Kommunikationsverhalten nach Terry Farnsworth. Wer weniger als sechs Fragen mit „Ja“ beantwortet bekommt als Feedback „…dass Sie viel lieber alleine für sich in Ihrem Kämmerchen arbeiten würden, als Mitarbeiter zu motivieren und zu führen. Wann und wie werden Sie Ihre Einsiedelei beenden?“ Führungskraft zu sein, ist kein Job für jeden!

Potenzialanalysen führen Firmen mit ihrem Führungskräftenachwuchs durch. Nach so einem Testergebnis kann die Karriere vorbei sein, bevor sie begonnen hat.

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* Quelle: BIP: Selbstbild, Fremdbild und Persönlichkeit, Rüdiger Hossiep, S. 12